Performance
10.10.2026
String Tension History
String Tension History ist eine Installation und Video-Performance, die die Beziehung zwischen der Künstlerin und ihrer historischen Harfe ins Zentrum stellt. Die Harfe kam am Tag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs nach Deutschland und hat beide Weltkriege überstanden – heute befindet sie sich an einem Bruchpunkt.
Wie klingt Transformation? Die Video-Performance dokumentiert den Restaurierungsprozess der Harfe visuell und klanglich. Sie folgt den Händen des Restaurators, während er die Harfe öffnet und wieder zusammensetzt. Der Klang wird aus einer inneren Perspektive aufgenommen: Binaurale Mikrofone im „Bauch“ des Instruments erzeugen eine immersive und intime Hörsituation. Feine Vibrationen und plötzliche Risse werden mit Kontaktmikrofonen aufgezeichnet, ergänzt durch vokale Elemente, als die Künstlerin ein Lamento in den Resonanzkörper der Harfe singt.
Die Geschichte der Harfe wird neben die persönliche Geschichte der Künstlerin gestellt: Ihr deutscher Urgroßvater unterzeichnete Zwangssterilisationen im Namen der nationalsozialistischen Eugenikpolitik einer „gesunden Nation“. Die Künstlerin selbst hat Operationen durchlaufen und ihre Fruchtbarkeit verloren infolge eines gynäkologischen Tumors und durch Endometriose – einer Erkrankung, die viele Frauen betrifft.
In der Ausstellung erscheint die Harfe als verändertes Objekt, das Spuren dieses Prozesses trägt und eine gemeinsame Erzählung von Körpern in Transformation und Resilienz formuliert.
Kirstin Burckhardt (geb. In Südafrika) ist bildende Künstlerin und Psychotherapeutin und verbindet Video und Performance mit Klang und gesprochenem Wort. In kritischer Auseinandersetzung mit ihrer Ausbildung in Psychologie und Neurowissenschaften beschäftigt sich ihre Praxis mit Machtverhältnissen, die mit dem Körper verwoben sind. Indem sie fortlaufend hinterfragt, was einen „Körper“ definiert, konzentriert sich ihre künstlerische Forschung auf den zwischenmenschlichen Raum als Ort der Aushandlung von Konflikt, Empathie, transgenerationalem Trauma und den komplexen Prozessen des Heilens.
Die Performance ist Teil der Global Dystopia sound art biennial 2026.