Tiefe Einblicke

Das Anatomische Theater im Zeitalter der Aufklärung

Wie kein zweiter Raum markiert das Anatomische Theater einen Zentralort der europäischen Medizin in der Frühen Neuzeit. Viele Leichname wurden hier zu Studienzwecken seziert. Künftige Chirurgen, Ärzte, Hebammen und Apotheker erhielten tiefe Einblicke in den Bau des menschlichen Körpers. Zugleich versammelte sich eine interessierte Öffentlichkeit zu besonderen Veranstaltungen, um sich im Theaterrund ein Bild von Form und Funktion der göttlich ersonnenen Körpermaschine zu machen, die nach dem Tode so jäh und unausweichlich der Vergänglichkeit anheimfiel. Ausgehend vom 1713 eröffneten Berliner anatomischen Theater nimmt der vorliegende Sammelband verschiedene Konkretisierungen dieser medizinischen Lehr- und Studieneinrichtung an sehr unterschiedlichen Orten im 18. Jahrhundert in den Blick. Er fragt nach ihrer Einbettung in lokale medizinische Infrastrukturen und damit nach ihrer Rolle in der Konstitution territorialer Ausgestaltungen des frühmodernen Gesundheitswesens. Überdies gerät das Anatomische Theater als Fixpunkt und Impulsgeber für den Aufbau medizinscher Präparatesammlungen in den Blick: Herz und Hirn, Leber, Niere und Gallensteine wurden hier geborgen, fixiert und konserviert. Gar nicht so selten fanden diese Objekte Eingang in private anatomische Sammlungen und Museum – zum Stolz der Sammler, für den Unterricht und immer wieder auch als epistemische Wissensdinge für die Forschung.

 

 

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