Visite im Depot

Mit der Präsentation „Visite im Depot“ macht sich das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité selbst zum Thema, indem es sein Depot in die Ausstellung holt. Besucherinnen und Besuchern wird ein Blick hinter die Kulissen gewährt: Was verbirgt sich im Museumsdepot? Was geschieht dort? Aus einzelnen Versatzstücken, mehr oder weniger kryptischen Notizzetteln oder bereitgelegten weißen Handschuhen, lässt sich etwas von der Arbeit des Sammlungskustos erahnen: Wie werden aus „Dingen“ Museumsobjekte, die uns ihre Geschichten erzählen?

Die Ausstellung gliedert sich in zwei sehr verschieden anmutende Bereiche, die auch in zwei verschiedenen Räumen präsentiert werden. Zum einen bietet sie mit einem  inszenierten Depot den Blick in sonst nicht zugängliche Museumsbereiche: Präsentiert werden unter anderem Gegenstände, die ihr Dasein bisher unbearbeitet und nicht katalogisiert in Kartons gefristet haben. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, ihre ganz individuellen „Diagnosen“ zu diesen Ausstellungsstücken zu erstellen, da die Objekte nur sporadisch erste Begleitinformationen oder Hinweise zu ihrer Verwendung enthalten. Erst durch die Visite des Museumsbesuchers, der mit den Objekten in Kontakt tritt, die Dinge anschaut, befragt und seinen eigenen Emotionen nachgeht, können diese Gegenstände ihre Wirkung entfalten.

In einem zweiten Raum werden Objekte präsentiert und detailliert vorgestellt, die bereits bearbeitet, wissenschaftlich kommentiert und in Datenbanken aufgenommen wurden. So ist unter anderem eine Liste mit 716 Unterschriften von Berliner Bürgern zu sehen, die dem Pathologie-Professor Rudolf Virchow für seinen Mut danken, dem Preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck ein Duell zu verweigern. Die Geschichten, die dieses Museumsobjekt erzählt, können je nach Blickwinkel unendlich vielfältig sein. Kleinere Sammlungen werden gezeigt: verschiedenartige chirurgische und pathologische Sägen, Reflexhämmer und Herzschrittmacher sowie eine Galerie von Gallensteinen. Sie lassen auf Entwicklungsverläufe schließen oder spiegeln den jeweiligen Zeitgeist wider. Einige skurrile, oder ganz alltägliche medizinische Objekte dürften selbst Fachleute überraschen. Kommen Sie Anschauen, Bestaunen und Ausdeuten.

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