VERANSTALTUNGSREIHE ZUR AUSSTELLUNG

                

 

5. September 2017, 19:30 Uhr
PD Dr. Sven Hartwig
Institut für Rechtsmedizin der Charité
 
Beweismittel und Lehrobjekte -
Geschichte und Geschichten zu ausgewählten
Präparaten der Sammlung des
Institus für Rechtsmedizin der Charité

 

 

17. Oktober 2017, 19:30 Uhr
Prof. Dr. Alexander Košenina
Leibniz Universität Hannover
 
Tatort gestern -
Verbrechen und Aufklärung seit der Frühen Neuzeit
 

Serien wie Tatort gibt es nicht erst seit Erfindung des Fernsehens. Schon die illustrierten
Neuen Zeitungen um 1600 bedienen die Gier des Publikums nach sensationellen
Verbrechensgeschichten. Diese Tatorte hießen z.B. Schau-Platz jämmerlicher Mord-
Geschichte, eine Serie von 200 Fällen in einem Band von 1656. So falsch wie die
Entstehungslegende der Kriminalliteratur ab E.T.A. Hoffmann oder Edgar Allan Poe ist die
Annahme, spurentechnische oder kriminalpsychologische Verbrechensaufklärung hätte
es vor 1800 noch gar nicht gegeben. Der Vortrag bietet Einblicke in frühe
Kriminalfallgeschichten und ihre Ermittlungsmethoden, die schon vor Schiller höchst
populär waren und zur Rechtsaufklärung des Lesepublikums beitrugen.

 

 

21. November 2017, 19:30 Uhr
Prof. Dr. Susanne regener / Dr. Axel Doßmann
 
Fabrikation eines Verbrechers -
Der Kriminalfall Bruno Lüdke als Mediengeschichte
 
Der Berliner Kutscher Bruno Lüdke wurde als der „größte Massenmörder in der
Kriminalgeschichte“ bezeichnet: Fake-News von 1946, die die illustrierte Presse in Ost
und West gerne aufgriff. Die Tatortfotos und Verhörprotokolle mit dem geistig
behinderten Mann und vermeintlichen Frauen- und Serienkiller inspirierten auch
Regisseur Robert Siodmak und Schauspieler Mario Adorf für den preisgekrönten Film
„Nachts, wenn der Teufel kam“. Das Material für solche True Crime-Stories kam aus dem
Archiv der Kripo, die den Fall 1943/44 konstruiert hatte. Was fing die Mediengesellschaft
nach dem Vernichtungskrieg damit an – und was war tatsächlich der Fall?
Die Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener demonstriert, wie Montagen von Tatort-
Fotografien populäre Vorstellungen vom „Bösen im Menschengestalt" anheizten. Der
Historiker Axel Doßmann diskutiert, inwiefern der bislang unterschätzte Film-Klassiker
als eine politische Intervention in die postfaschistische Gesellschaft der 1950er Jahre
verstanden werden kann. Das bildreiche Buch zum Kriminalfall ist bei Spector Books
Leipzig erschienen.