Der zweite Blick

Besondere Objekte aus den historischen Sammlungen der Charité 

Reich ist die Palette an medizin-, wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Sachzeugen in den Sammlungen des Berliner Universitätsklinikums, der Charité. Das Spektrum reicht von Feucht- und Trockenpräparaten über wächserne Augenmoulagen, Zahnprothesen, Schädelknochen, Schutzhandschuhen, handschriftlichen Folianten, Lidsperrern, Blasenspiegeln und Geburtszangen bis hin zu einem japanischen Tempelgong.

Im Jahre 1998 eröffnete auf dem historischen Gelände der Charité in Berlin-Mitte das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité, ein vollgültiges Museum mit eigener Sammlungstätigkeit und öffentlich zugänglichen Schauräumen. Weitere Sammlungen mit Schauräumen finden sich beispielsweise am Centrum für Anatomie der Charité oder im Institut für Mikrobiologie und Hygiene in der Dorotheenstraße, wobei dieser Gebäudekomplex inzwischen veräußert wurde und das darin untergebrachte Robert-Koch-Museum derzeit nur schwer zugänglich ist. Auch einige andere Institute und Kliniken der Berliner Universitätsklinik zeigen – teilweise auch öffentlich – bedeutende Objekte auf Klinikfluren oder in Aufenthalts- oder Besprechungsräumen. Manche Einrichtungen schließlich haben Sammlungen angelegt, die gar nicht oder nur in Rücksprache mit den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gezeigt werden. Seit dem Jahr 2000 bilden das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité und einige Charité-Sammlungen einen informell vernetzten Sammlungsverbund. Ziel ist es, die jeweiligen Interessen und Aktivitäten einer anspruchsvollen und spannenden materialen Medizingeschichte zu bündeln und gemeinsam umzusetzen.

Ein erstes nach außen sichtbares Gemeinschaftsprojekt des Sammlungsverbunds war die Vortragsreihe „Das Besondere Objekt. Bemerkenswerte Gegenstände aus den historischen Sammlungen der Charité“. Seit dem Wintersemester 2002/03 wurden dabei in jeweils sechs öffentlichen Abendvorträgen pro Jahr einzelne Stücke aus den Sammlungen vorgestellt. Die Ausführungen begannen zumeist mit einer genaueren Betrachtung und Beschreibung des Objekts. Dafür wurde es vor die Zuhörerschaft platziert und seine ursprüngliche Funktion erläutert. Nach dieser ersten Kontaktaufnahme richtete sich ein zweiter Blick auf alle Aspekte des Gegenstandes. Ziel war es, über historische Ableitungen in einer Art Erkenntnisspirale die Bedeutung des Sachzeugen für bestimmte wissenschaftliche Entwicklungen und geschichtliche Zusammenhänge aufzuzeigen.

Der vorliegende Band – eingeleitet durch den Versuch, den Ansatz einer materialen Medizingeschichte genauer zu fassen – dokumentiert eine Auswahl der in den ersten Jahren gehaltenen Vorträge dieser Reihe in ihrer chronologischen Abfolge. Es schließt sich eine überblickartige Vorstellung der zum Charité-Verbund gehörigen oder diesem assoziierten Sammlungen an.

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