Weitere Informationen…

Die Dauerausstellung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité

Auf einer Ausstellungsfläche von 800 qm bietet die Dauerausstellung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité einen Gang unter die Haut und wieder zurück ins Leben. Entlang der Pfade der naturwissenschaftlich gegründeten Medizin betreten die Besucher spezifische Räume, die die westlich-abendländisch geprägte Medizin in den vergangenen drei Jahrhunderten hervorgebracht hat: Anatomisches Theater, Anatomisches Museum, Seziersaal des Pathologen, Labor, Klinik und Untersuchungszimmer.

Der Blick folgt dem Bemühen der Schulmedizin, sich ein Bild vom Inneren des menschlichen Körpers - gesund wie krank - zu machen und diesen in seinem Funktionieren zu verstehen, diagnostisch zu verzeichnen und für die Entwicklung therapeutischer Handlungsstrategien zu analysieren. Jede Schauetage führt in einen Schwerpunktraum, zum einen in die Virchowsche Präparatesammlung, zum anderen in einen historischen Krankensaal mit 10 ‚Fällen‘ aus drei Jahrhunderten, von der jungen Frau mit einer „schwierigen Geburt“ 1727 bis zu einem Sepsis-Patienten auf der Intensivstation 2006 – ein Versuch, mit den Mitteln des Museums Patientengeschichte sichtbar werden zu lassen. Zehn individuelle historische Krankengeschichten aus drei Jahrhunderten stehen für einen Blick auf die Medizin, den die medizinhistorische Forschung erst in jüngerer Zeit für sich entdeckt hat: die Sicht des Patienten. Was denkt, fühlt und erlebt der Patient in seiner Leidenszeit? Wie äußert er sein Befinden? Was hält ihn neben der Medizin am Leben?

Die Dauerausstellung erzählt keine reine Fortschrittsgeschichte. Auch Irrungen und Abwege in der Medizin kommen zur Sprache. Und die Ausstellung widmet sich ausführlich einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Medizin: der Medizin im Nationalsozialismus.

Die Themen werden immer wieder an die lokalen Bedingungen und Entwicklungen der Berliner Medizin gebunden. Durch ein großes, über die gesamte Länge der Schauräume gezogenes Text-Bildband mit zahlreichen Informationen aus der Geschichte der Charité erhalten beide Dauerausstellungsebenen ihre zentrale thematische Klammer. 

Wichtiger Bestandteil der Ausstellung ist die berühmte, von Rudolf Virchow begründete Präparatesammlung. „Ich bin mir bewusst, dass einige Besucher des Museums diesen Teil der Ausstellung als schwierig empfinden“, räumt Museumsdirektor Professor Thomas Schnalke ein. „Es ist aber wichtig zu betonen, dass diese Exponate nicht aus Sensationsgier gesammelt wurden. Hierfür gab es handfeste wissenschaftliche Gründe. Die Präparate dienten der Forschung und sie waren Bestandteil einer Lehrsammlung. Damit konnten Medizinstudenten und interessierte Laien höchst anschaulich Krankheitsverläufe nachvollziehen. Bis heute erfüllen wir mit der Präsentation den Wunsch vieler Besucher, mehr über den eigenen Körper und seine Gefährdungen wissen zu wollen. Wir zeigen die Präparate in würdevoller Weise mit dem erklärten Ziel, die Person des Patienten dahinter in jedem Präparat zu achten und zu ehren.“